Tostedter Forum

Wir, der Verein Streetlife e.V. und die Mitarbeiter, haben es satt, täglich in den Medien zu hören und zu lesen, dass der braune Nazi - Terror immer größere Ausmaße annimmt.

Wir fordern alle auf, die unsere Internetseite aufzurufen, sich dem braunen Mob entgegenzustellen und Initiativen zu gründen.

Das Projekt "Strassensozialarbeit" in Rahlstedt konnte die kontinuierliche Zunahme rechten Gedankenguts durch unsere aufsuchende Arbeit in den letzten 20 Jahren nazi_5verfolgen.

 

Anfangs dachten wir, dass allein durch aufklärende Arbeit in der Unterschicht die braunen Pestgedanken verfliegen würden. Die Anfangserfolge bestätigten unsere Meinung. Mit Abenteuerfahrten, Sommerferienfahrten, Freizeitmaßnahmen und

Antifa - Wochenenden konnten wir viele Jugendliche zu uns rüberholen. Diese Methode funktioniert auch heute noch, nur ist das rechte Gedankengut grösser geworden und wir können nicht allen Jugendlichen diese Programme anbieten. Zweifellos müssen wir heute mit der Altersgruppe 11 bis 13 Jahre aufklärende Arbeit leisten, weil dann noch die Chance besteht, dass sich rechtes Gedankengut nicht total verfestigt. Auch glauben wir, dass Jungendliche von 18 bis 23 Jahre, die eine verfestigte Ideologie haben, für unsere Arbeit verloren sind. Hier kann unserer Meinung nach nur noch die Politik und die Justiz reagieren. In den letzten 4 Jahren wurden heisse und heftige Diskussionen über die Frage geführt, ob Sozialarbeit mit der oben genannten Zielgruppe überhaupt noch Sinn macht. Natürlich wissen wir, dass jeder Mensch auf dieser Erde sich ändern kann, wenn er denn will.

Die Freizeitjugendarbeit und aufsuchende Arbeit in Deutschland muß nach unserer heutigen Meinung ihre Kräfte bündeln und nicht in Allmachtsphantasien verfallen.

Sie sollte der Politik gegenüber nicht suggerieren, man könnte diese rechten Horden mit sozialpädagogischem Handeln zu humanistischem Tun und Denken animieren.

Interessanterweise findet in multikulturellen und multiethnischen Vierteln bei den ganz jungen Mädchen und Jungs, die sich ja gemeinsam vom Kindergarten über die Vorschule bis hin zur Hauptschule täglich begegnen ,der rechte Mainstream nicht annähernd so leicht Fuss.

- Mach mir mein Memeth nicht an, dann lassen wir auch Dein Hinack in Ruhe! -

Natürlich ist uns bewusst, dass der dunkelbraune Mief aus der Mitte der Gesellschaft geboren wird:

"Was der Schlips sagt, führt der Stiefel aus."

Unsere eigenen Veröffentlichungen zu diesem Thema können angefordert werden unter unserer Postanschrift oder über Internet.

http://www.streetlife.net

 

Tostedter Forum für Zivilcourage¤

Ein Ort wehrt sich !

Tostedter-Erklärung

Wir, die Bürger von Tostedt und Umgebung, sind entsetzt über die rechtsextremen Aufmärsche in Tostedt und die menschenverachtenden Parolen. Durch die überregionale Berichterstattung ist leider der Eindruck entstanden, als würden diese Auswüchse in Tostedt auf eine gewisse Zustimmung, jedenfalls nicht auf eindeutige Ablehnung stoßen. Dieses trifft keinesfalls zu. Vielmehr stellen wir fest, daß die Aufmärsche in unserem persönlichen Umfeld einhellig verurteilt worden sind. Wir appellieren an die zuständigen Instanzen, weiterhin alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um in Zukunft solche Aufmärsche und demokratiefeindlichen Veranstaltungen in Tostedt (und anderswo) zu verhindern.

Für Auswärtige: Wir begrüßen diese örtliche Initiative als einen erfolgversprechenden Weg, durch eindeutige Meinungsäußerung der BürgerInnen dem rechtsradikalen Unwesen entgegenzutreten.

Renate Dörsam Mitglied im Tostedter Forum für Zivilcourageä

Renate Dörsam

Mitglied im "Tostedter Forum für Zivilcourage"

Everstorfer Str. 19
Tel. 04182-4362
Fax: 04182-40108

Heidenau, 25.10.00

Sehr geehrte Damen und Herren, die "traurige Berühmtheit" unseres Ortes (Kleinstädtchens) Tostedt ist sicher auch bis zu ihnen gedrungen. Bereits im April dieses Jahres lief hier ein Aufmarsch der "Rechten" ab, der trotz intensiver Bemühungen nicht verhindert werden konnte, der aber, sehr zum Ärger der Neonazis, total ins Leere ging, weil er einfach nicht zur Kenntnis genommen wurde. Ganz anders aber war es dann Anfang August: "Tostedt: Neonazis bieten perfekte Medien - Show", titelte eine Zeitung, und so war es auch. Wir vom "Forum für Zivilcourage" (Näheres dazu s. Anlage) verhielten uns ähnlich wie im April, ebenso die meisten Bürger, aber diesmal ging die Rechnung nicht auf. Bei den Medien war der Eindruck entstanden, daß Tostedt erstens eine Hochburg der Nazis ist und daß das den Bürgern entweder ganz gleichgültig ist oder sie es-offen oder klammheimlich-sogar in Ordnung finden.

Das führte dazu, daß wir am 20.August 2000 an die Öffentlichkeit gingen und die Internet-Aktion "www.Tostedt-gegen-rechts.de" starteten, d.h. die Tostedter Erklärung" ins Internet stellten, gegen die rechtsextremistischen Aufmärsche in Tostedt, gegen die demokratiefeindlichen, menschenverachtenden, ausländerfeindlichen Parolen usw. Initiator dieser Internet-Aktion war Peter Dörsam, Fraktionssprecher der Grünen in Tostedt (Tel.04182-401036). Als Erstunterzeichner wurden die Bürgermeister der Gemeinde und der Samtgemeinde Tostedt, alle Fraktionsvorsitzenden, Kirchenvertreter, der Sprecher des "Forums für Zivilcourage", Ulrich Graß, u.a. gewonnen.

Wir haben inzwischen ca.3.000 Einträge aus dem Bereich Tostedt, aus vielen anderen Orten der Bundesrepublik und aus dem Ausland, u.a. aus den USA und Japan, und registrieren eine begeisterte Aufnahme dieser Aktion. Für viele Bürger war es ein zunächst mit Angst besetzter Schritt, sich ins Internet zu stellen, für jeden abrufbar Stellung zu beziehen. Inzwischen haben sich Politiker, Stadt- und Ortsräte, alle Geschäftsleute, Lehrer, Ärzte, viele Jugendliche, um nur mal einige Gruppen zu nennen, der Erklärung angeschlossen.

Aber wir haben natürlich auch Gegenreaktionen: "Besuche" von "Skinheads" an unserem Infostand; mein Sohn bekam Ende August einen infamen Drohbrief; im Diskussionsforum, das neben der Unterschriften-Aktion im Internet von uns angeboten wird, merkt man die Wut über den Erfolg der Internet-Aktion sehr deutlich.

PS Wettbewerb "Logo", Veranstaltungen, s. " Geschichte des Forums"

Zur Geschichte des "Forums für Zivilcourage"

Im "Forum für Zivilcourage", das vor zweieinhalb Jahren, nach einem schlimmen rechtsradikalen Überfall auf eine junge Frau am 20. April 1998, gegründet wurde, arbeiten Bürger aus den verschiedensten Bereichen mit, aus Schulen, Kirchen, Friedensgruppen, Geschäftsleute, Jugendliche, Rentner, Polizei, Eltern, Politiker, Verwaltung usw. Im Jahre 1999 haben wir den 20. April durch eine Fahrt an den "Bullenhuser Damm" "anders besetzt", mit anschließender Filmvorführung (Janusz Korczak) in der Tostedter Kirche. Das Forum ist eine Initiative mit einem Sprecher, wir sind kein Verein mit Vorstand usw. (deshalb werden wir wohl kaum finanzielle Unterstützung für unsere Arbeit aus den öffentlichen Töpfen bekommen).

Wir sind generell gegen Gewalt und Extremismus, aber im Augenblick, in Anbetracht der derzeitigen Situation und der wiederholten rechtsextremistischen Aufmärsche in Tostedt, geht unser Kampf speziell "gegen Rechts". Wir haben für die Zukunft viele Veranstaltungen geplant: Den Auftakt bildet der Abend des 9. November mit dem Widerstandskämpfer Tönnies Hellmann, der am 5. Oktober vom Hamburger Senat für seinen Einsatz für Frieden und Demokratie geehrt wurde.

Obwohl, wie schon erwähnt, der Schritt ins Internet für viele schon ein "großer Schritt" war, wollen wir nicht dabei stehen bleiben. Farbe bekennen, Flagge zeigen, das soll weitergehen, mit Plakaten für die Geschäfte (viele sammeln auch Unterschriften für die Tostedter Erklärung) und Aufklebern mit klarem Bekenntnis zu Toleranz, gegen Hass und Gewalt. Unter dem Dach der Bundesaktion "Gesicht zeigen" suchen wir in einem Wettbewerb für die Samtgemeinde Tostedt ein Logo, das Zivilcourage zum Ausdruck bringt; das uns alle verbindet und deutlich macht, was für ein Tostedt wir meinen, das uns stark macht im Schulterschluss mit all den anderen.

Wir finden es ganz prima, daß sich so viele Menschen an so vielen Orten regen, daß sich so viele Initiativen gebildet haben und weiterhin bilden: jede weitere Aktivität macht uns alle stärker. Vielleicht ist es der Anfang einer großen Welle, die über das ganze Land geht.

Ich las gerade die von Erich Kästner am 10. Mai 1958 gehaltene Rede "Über das Verbrennen von Büchern" - hochaktuell, kann man nur sagen! Hier einige Sätze vom Schluss der Ansprache:

"Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. Das ist der Schluss, den wir aus unseren Erfahrungen ziehen müssen, und es ist der Schluss meiner Rede. Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben. Es ist eine Angelegenheit des Terminkalenders, nicht des Heroismus.

 

Ja, ich unterstütze die "Tostedter Erklärung"

Tostedter-Erklärung

 

Wir, die Bürger von Tostedt und Umgebung, sind entsetzt über die rechtsextremen Aufmärsche in Tostedt und die menschenverachtenden Parolen. Durch die überregionale Berichterstattung ist leider der Eindruck entstanden, als würden diese Auswüchse in Tostedt auf eine gewisse Zustimmung, jedenfalls nicht auf eindeutige Ablehnung stoßen.

Dieses trifft keinesfalls zu. Vielmehr stellen wir fest, daß die Aufmärsche in unserem persönlichen Umfeld einhellig verurteilt worden sind. Wir appellieren an die zuständigen Instanzen, weiterhin alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um in Zukunft solche Aufmärsche und demokratiefeindlichen Veranstaltungen in Tostedt (und anderswo) zu verhindern.

Für Auswärtige: Wir begrüßen diese örtliche Initiative als einen erfogversprechenden Weg, durch eindeutige Meinungsäußerung der BürgerInnen dem rechtsradikalen Unwesen entgegenzutreten.

Ja, ich unterstütze die "Tostedter Erklärung"

 

Skin-Konzert aufgelöst

Tostedt Polizei stürmt illegale Party mit 500 Neonazis in der Schützenhalle

Tostedt, immer wieder Tostedt. Beim Verfassungsschutz gilt die Samtgemeinde (25 000 Einwohner) im Landkreis Harburg seit Jahren als Hochburg der rechten Szene. Sonnabend war sie erneut Treffpunkt von 500 Rechtsradikalen, die aus dem ganzen Norden angereist waren. Mehrere Hundertschaften der Polizei rückten an, lösten ein Skinhead-Konzert in der Schützenhalle auf.
Schon um 18 Uhr hatten Beamte die Halle überprüft. Mehrere Hinweise , auf ein Konzert des vom Innenministerium verbotenen Musik-Netzwerks "Blood & Honour" waren eingegangen. Aufbauten und Musik seien aber "normal" gewesen, erklärte ein Polizeisprecher.
Auf der als Party anlässlich des "Töster Markts" angemeldeten Veranstaltung blieb es nicht beim Fetenhit-Gedudel. Drei Skin-Bands peitschten ihre Fascho-Lieder durch die Boxen. Die Stimmung kippte, besoffene Neonazis grölten die Nationalhymne in allen Strophen, zeigten den Hitlergruß, zertrümmerten Teile des Inventars.
Die Polizei zog rund 450 Beamte aus Niedersachsen und Hamburg zusammen, stürmte gegen 22.50 Uhr die Schützenhalle. Der Einsatz hatte sich unter den Besuchern aber schon herumgesprochen. Etliche Skins hatten daraufhin das Konzert verlassen, um Kontrollen zu entgehen. Insgesamt überprüften die Beamten "141 Personen der rechten Szene'. Es seien Aufenthaltsverbote für Tostedt ausgesprochen worden.Ein Mann wurde festgenommen. "Zum Schutz der eigenen Person", wie es hieß. Der Kahlkopf war sternhagelvoll. Wer für das illegale-Skin-Konzert verantwortlich ist, war bis gestern noch unklar.
Im vorigen Jahr war der braune Mob zweimal in Tostedt aufmarschiert im nahen Holvede ebenfalls ein Neonazi-Konzert aufgelöst worden. Der Gemeinderat hatte daraufhin die "Tostedter Erklärung" gegen Rechtsextremismus unterstützt.


(Matthias Onken)

Quelle: Hamburger Morgenpost , 01.10.2001