Mädchenarbeit

Mädchencafé

Oder

Immaedchen6mer mittendrin, dazusein, wo das Leben tobt, ohne jedes Verbot...

Das Projekt Straßensozialarbeit Rahlstedt arbeitet seit 19 Jahren mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Hohenhorst, Rahlstedt-Ost und Großlohe.
Die Situation der Kinder und Jugendlichen, die in unseren Vierteln leben, ist gekennzeichnet durch zunehmende Verarmung und erzieherische Vernachlässigung

Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Arbeit mit und für Mädchenarbeit, da Mädchen, an unterster Stufe in der gesellschaftlichen Hierarchie stehend, von den sozialen Problemen ihres Lebensumfeldes verstärkt betroffen sind.
Ausgangspunkt war die Situation in Hohenhorst und auch in Großlohe, wo es bis heute kein offenes Mädchenangebot gibt, jedoch für uns Frauen vor Ort ein großer Bedarf sichtbar war

1996 wurde das erste Mädchencafé in Hohenhorst ins Leben gerufen, um diese Mädchen zu stärken.

Die Grundideen

Zielgruppe unseres Angebotes sind Mädchen, die aus verschiedenen Gründen nicht bereit odermikro3 in der Lage sind, an festen (verbindlicheren) Mädchengruppen teilzunehmen. Das Mädchencafé versteht sich somit als offenes niedrigschwelliges Angebot für Mädchen, besonders im Alter zwischen 6 - 16 Jahren.

Wesentlich ist, den Mädchen etwas anzubieten und abzuwarten, ob sie daran teilnehmen wollen. Also, ein echtes Angebot zu machen. Dies heißt sie immer wieder auch persönlich einzuladen, (insbesondere, wenn sie aus familiären Gründen nicht regelmäßig kommen können), immer wieder zu signalisieren, daß sie, so wie sie sind, willkommen sind, egal ob sie für 5 min Tee trinken, eine rauchen, einmal im Monat oder zweimal wöchentlich kommen.In diesem Raum sind sie willkommen, alles hier ist für sie.

Das Angebot

  • besteht aus drei Hauptsäulen:
  • · Dem Kreativteil ( Metallwerkstatt, Schmuck, Seidenmalerei etc.)
  • · Dem offenen Bereich( Bücher- und Spiele- Kuschelecke, also Platz, zum "Schnacken" und spielen)
  • · Essen und Trinken / Dies ist aufgrund des hohen Anteiles an Mädchen, die tendenziell Straßenkinder sind, (also Kinder mit festem Wohnsitz, die aber nicht oder nur bedingt versorgt werden) besonders nötig, da immer mehr Kinder Hunger haben
  • Im offenem Bereich probieren die Mädchen oft eigene Ideen aus, Gruppenspiele, Pantomime etc. Falls sie Hilfe/Material benötigen fordern sie diese von uns. Weitere Angebote des Mädchencafés sind: ( oft in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen)
  • · Seminare, Fahrten und Projekte. (z.B. Mädchencamp)
  • · Mädchenfest (in Kooperation mit anderen Jugendeinrichtungen, der Schule und Hamburger(Mädchen-)projekten durchgeführt)
  • · Fahrten zu Mädchenveranstaltungen
  • · Besuch anderer Institutionen
  • · Durchführung von Aufklärung/Präventionsveranstaltungen
  • · Übernachtungen, Mädchendiskos und andere Freizeitaktivitäten
  • Wie läuft's?

maedchen2Zur Zeit findet das Café in:

Hohenhorst an zwei Tagen die Woche statt. Aufgeteilt in das Mini- Mädchencafé für Mädchen bis 10 und das Mädchencafé für Mädchen ab 11 Jahren.

Je zwei Honorarkräfte und mehrere Jugendgruppenleiterinnen betreuen die Mädchen. Darüber hinaus wird das Projekt von der Straßensozialarbeit Rahlstedt betreut, um insbesondere Kontinuität und Einzelfallbetreuung sicherzustellen.

Die Mädchencafés werden jeweils pro Tag von ca. 15 - 45 Mädchen besucht. Für Hohenhorst laßt sich nur schätzen, daß insgesamt durch das Mädchencafé seit 1996 ca 250 und mehr Mädchen erreicht wurden, die zum Teil kontinuierlich, zum Teil sporadisch das Mädchencafé aufsuchen/bzw. aufgesucht haben und heute nur noch mit konkreten Anliegen vorbeischauen.

Die Tendenz ist steigend und das Mädchencafé hat sich zu einer Institution in Hohenhorst entwickelt, auf die die Mädchen nicht mehr verzichten wollen.

Alle Angebote werden von Mädchen verschiedener Nationalitäten besucht. Die Mädchen akzeptieren sich untereinander. Oberste Regel ist: Alle sind gleich und bekommen auch das gleiche; Prügeln und Anmache werden nicht toleriert.

Das Konzept ist immer in Bewegung, um den Bedürfnissen der Mädchen gerecht zu werden. Geplant ist z.B. in Hohenhorst eine Hausaufgabenhilfe für die Mädchen einzurichten,

um insbesondere den Mädchen, denen aufgrund schulischer Defizite vom Elternhaus verboten wird, rblack_poweregelmäßig das Mädchencafé zu besuchen, eine Teilnahme zu ermöglichen.

Zugleich können so die Defizite (besonders in Deutsch) gemeinsam mit anderen Mädchen und mit Hilfestellung aufgearbeitet werden und die Mädchen sind so aus der häuslichen Isolation befreit. Dies trifft besonders Aus- und Übersiedlermädchen russischer und polnischer Herkunft, sowie Mädchen aus dem islamischen Kulturkreis.

Es gibt viele Mütter, die am Mädchencafé interessiert sind und für die Einzelangebote gemacht werden könnten. Teilweise mußten wir sie daraufhin weisen, daß wir ein Mädchencafé und kein Mutter - Kind - Treff sind. So findet Mütterarbeit auch nur sporadisch statt, ( Mütter-Töchter- Tage / Diskos / Feste)

Eine Unterstützung der Alleinerziehenden, Sprach und Computerkurse, sowie Hilfe zur Lebensplanung wären weitere Projekte, die langfristig sowohl den Müttern als auch den Mädchen zugute kommen würden.


 

Personelle Situation

Die Mädchen übernehmen für Ihr Mädchencafé Verantwortung. Mädchen die vor 3 Jahren selber nur Besucherinnen waren, sind inzwischen Gruppenleiterinnen und auch ihr " Nachwuchs" mischt schon kräftig mit. Beim Auf- und Abbau helfen die meisten freiwillig. Es ist ja schließlich ihr "Café".

Schwierig ist, daß das Mädchencafés hauptsächlich durch Honorarkräfte betreut wird. Dies kann eine große personelle Fluktuation mit sich bringen. (Bisher bleiben uns alle treu!). Für die "Strasofrau" bedeutet dies immer in den Mädchencafés "mitzumischen" und vorort zu sein, um Kontinuität gewährleisten zu können, den Mädchen eine Ansprechpartnerin zu sein und die Honorarkräfte zu unterstützen.


 

Räume

Seit Dez. 1998 "wanderte" das Mädchencafé Hohenhorst im Stadtteil umher, da die von uns genutzten Räumlichkeiten inzwischen leider anderweitig genutzt werden. Um den Mädchen Kontinuität zu bieten, bis wir wieder Räumlichkeiten haben, führten wir zweimal die Woche verschiedene Freizeitaktivitäten durch. (Eiscafé, Besuche von verschiedenen Jugendeinrichtungen, sportlichen Aktivitäten, Nachtwanderung etc.).

Dies konnte nur eine Notlösung sein, da auf lange Zeit dies aber die Offenheit des Angebotes unterläuft, da die Mädchen zu einer festen Uhrzeit am Treffpunkt sein müssen und der Treffpunkt Eiscafe im Einkaufszentrum Berliner Platz für viele Mädchen ungeignet war.( Verbot der Eltern, Kontrolle durch Verwandte)

Deshalb bemühten wir uns um geeignete Räume in Hohenhorst.

Seit Sommer 99 sind wir im Trollhaus, welches von den Gruppenleiterinnen/Honorarfrauen renoviert und gestaltet worden ist.

Hier besteht auch die Möglichkeit Gruppen und Projekte spontan zu planen und Bedarfsgerecht zu organisieren.


 

Finanzen

Die bisherige Finanzierung des "Mädchencafé" ist in den vergangenen Jahren durch die Zuwendungen von Restmitteln des Landesjugendplanes, Stadtteilmitteln, Spenden und einer kurzfristigen Zwischenfinanzierung durch die Straßensozialarbeit Rahlstedt ermöglicht worden. In diesem Jahr erfolgte die Absicherung zum größten Teil über Landesjugendplanmittel; die Miete für das "Trollhauses" wird hierüber nur anteilig getragen.

Unser Essensangebot, welches wesentlich für die Mädchen ist und eigentlich auf die gesamte Woche ausgeweitet werden müßte, ist nur durch Spenden und durch die Stormaner Tafel möglich.Ebenso wäre ein halten des "Mädchencafestandards" ohne die viele unentgeldlich geleistete Arbeit unserer Gruppenleiterinnen/Honorarfrauen nicht möglich.

Für das Mädchencafés gilt, daß die ungewisse finanzielle Lage sehr schwierig ist, wir aber nicht warten wollten, bis diese völlig geklärt ist. Mit der Hoffnung, daß die gute Sache auch die Geldgeber dann überzeugen wird, sind wir erst einmal gestartet.

Mühsam und zeitaufwendig gestaltet sich das Anträge und Spendenbitten schreiben. Teilweise war am Anfang des Jahres gar nichts klar, nach und nach kamen dann aber Gelder rein


 

Resumée

Insgesamt läßt sich sagen, daß unsere "Rabaukenmädchen" eine wahnsinnige Kraft und Freude am Leben haben, die sie uns immer wieder spüren lassen. Wieviel wir letztlich für die Mädchen erreichen, wissen wir nicht immer. Aber: Eines kann Mädchencafé mit Sicherheit leisten: Die Mädchen können für ein paar Stunden ihr Leben / ihre Probleme hintenanstellen, Spaß haben, sich ausprobieren, merken wie toll sie sind und sich auf das nächste Mal freuen.

Für alles weitere lest doch "Ein Rezept für`s Mädchencafé"

Mädchencamps

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