Il-Legal

Erlaubte und verbotene Drogen

Wir wollen zunächst etwas über den Begriff 'Drogen' sagen. Denn dieser wird häufig sehr mißverständlich bzw. vieldeutig verwendet. Allgemein wird zwischen den legalen Drogen, wie Alkohol, Nikotin oder Medikamenten und den illegalen Drogen, wie Heroin, Kokain, Halluzinogene (z.B. LSD), Haschisch und Marihuana unterschieden. Tatsache ist, daß die legalen Drogen in unserer Gesellschaft mehr Schäden verursachen als die illegalen Drogen.

Es gibt in Deutschland (BRD) schätzungsweise:

2.500.000 Mio. Alkoholabhängige

1.000.000 Medikamentenabhängige und

8.000.000 Mio. Raucher (Nikotinabhängige); gegenüber etwa

120.000 Heroinabhängigen.

An den unmittelbaren und mittelbaren Folgen des Konsums der verschiedenen legalen und illegalen Drogen sterben jährlich etwa:

30.000 bis 40.000 Menschen an Alkohol,

8.000 bis 9.000 Menschen an Medikamenten,

111.000 Menschen an Nikotin und

2.000 Menschen an Straßen-Heroin.

Diese Zahlen machen deutlich, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der der Griff zur Droge - trotz aller schädlichen Folgen - durchaus etwas Normales ist. Während allerdings die Verwendung von Alkohol oder Nikotin erlaubt ist, wird z.B. der Konsum von Haschisch oder Heroin bestraft.

Als das entsprechende Gesetz (Betäubungsmittelgesetz) 1968 verabschiedet wurde, glaubte man, mit der Androhung von Gefängnisstrafen den Drogenkonsum generell verhindern zu können. Das Gegenteil ist aber offensichtlich der Fall. Denn wir haben heute mehr Heroinabhängige, Kokser und Haschischraucher denn je. Mit polizeilichen und juristischen Mitteln gelingt es also scheinbar nicht, das Drogenproblem in den Griff zu bekommen.

Die Verbotspolitik führte dazu, daß die Herstellung und die Verteilung von Heroin, Kokain oder Haschisch von den Drogenkartellen bewerkstelligt wurde (und wird). Die Polizei war und ist dagegen relativ machtlos. Mehr als 5 % der auf dem Markt vorhandenen Drogenmenge konnte sie bisher nie beschlagnahmen.

Entkriminalisierung der Abhängigen - Legalisierung von Heroin

Da das Gesundheitsrisiko insbesondere von dem Straßenheroin ausgeht, hat der Hamburger Senat Überlegungen angestellt, reines Heroin über entsprechende Ambulanzen an Heroinabhängige auszugeben. Mit diesem Modell gibt es in anderen Ländern (England) positive Erfahrungen: Ein Rückgang der Beschaffungskriminalität, der drogenbedingten Prostitution und des Drogen-Kleinhandels sowie eine Reduzierung der HIV-Infektionsrate waren die Folge. Insgesamt erscheint es also sehr sinnvoll, die Junkies auf diesem Wege aus dem dramatischen Suchtkreislauf herauszuholen. Ausgangspunkt solcher Überlegungen ist die Erkenntnis, daß Drogensüchtige nicht wie Kriminelle sondern wie Kranke zu behandeln sind.

In diesem Zusammenhang gibt es auch Gesetzesinitiativen der Hamburger SPD, den Besitz kleiner Drogenmengen, die für den Eigenverbrauch bestimmt sind, straffrei zu belassen. Auch dies wäre für die Junkies eine echte Hilfe, da sie nicht mehr befürchten müßten, für jedes Gramm Haschisch oder Heroin, welches die Polizei in der Wohnung oder in der Hosentasche findet, in den Knast zu gehen.

Solche Bemühungen zur Entkriminalisierung von Drogenabhängigen sind sehr wichtig, da sie dazu beitragen können, dem Betreffenden seine menschliche Würde zu belassen. Denn viele Probleme von Junkies entstehen, weil diese Gesellschaft sie oft genug wie Ausgestoßene behandelt. Aus diesem sozialen Abseits sich mit eigener Kraft zu befreien, ist für viele nicht zu schaffen.

Die Hand wird ihnen jedoch häufig nur gereicht, wenn sie bereit sind, jeden Kontakt zu Drogen aufzugeben. Aber genau dies ist für Drogenabhängige der allerschwierigste Schritt, der ohne ein geduldiges, verständnisvolles und helfendes Umfeld häufig nicht gelingen kann.

Überreden oder zwingen Sie deshalb niemanden dazu, die Finger von den Drogen zu lassen, wenn derjenige dies nicht ausdrücklich will. Die Entscheidung, aus der Sucht auszusteigen, braucht Zeit und muß von jedem selbst getroffen werden. Sie sollten es daher auch akzeptieren, wenn ein Drogenabhängiger sich zu einem solchen Ausstieg nicht in der Lage fühlt. Unter Umständen wird er diese Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt treffen, wenn die Zeit reif dafür ist.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß es nicht richtig ist - wie früher häufig behauptet wurde -, daß ein Drogenabhängiger erst ganz unten sein muß, bevor er freiwillig die Finger von dem Heroin läßt. Diese 'Verelendungstheorie' hat dazu geführt, daß vielen Junkies nicht angemessen geholfen wurde, obwohl sie dies eigentlich bitter nötig gehabt hätten.

Wenn Sie sich als Angehörige, Freunde oder Nachbarn mit den hier beschriebenen Problemen überfordert fühlen, wenden Sie sich bitte an die im Anhang genanntenBeratungseinrichtungen. Wenn Sie den Erfahrungsaustausch und das Gespräch mit anderen betroffenen Eltern wünschen, dann können Sie sich auch an die ebenfalls genannten Eltern- und Angehörigeninitiativen wenden.

 

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