Hamburg spart ...

Hamburg spart ...
was gesetzlich kein Muss ist ...
auf Kosten von Kindern, Jugendlichen
und Familien !


Studentisches Jugendprogramm (SJP) einsparen bedeutet
familienpolitischen Rückschlag für benachteiligte Wohngebiete !

Studierende aller Fachbereiche engagieren sich seit 50 Jahren in den sozialen "Brennpunkten" dieser Stadt.
Vor allem in Steilshoop, St. Pauli, Billstedt und Mümmelmannsberg arbeiten sie in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die mit den bekannten Erscheinungs-formen in Armutsquartieren zu tun haben: schlechte infrastrukturelle Versorgung, beengte Wohnverhältnisse, fehlende Ausbildungs- und Arbeitsplätze, gerade für Schulabbrecher und nicht qualifizierte Hilfs- Arbeiter, verschuldete Haushalte, überdurchschnittliche Sozialhilfequote bei Kindern und Jugendlichen...

Mit ihrer Arbeit in diesen Stadtteilen leisten die SJP- Studierenden zahlreiche Gruppenangebote, Betreuungszeiten der offenen Tür, Ferienausflüge, unterstützen die Organisation und Durchführung von Sommerfesten und vieles mehr.
Dabei lernen sie die Problem- und Lebenslagen der Familien vor Ort kennen und gestalten die Angebote mit den Pädagogen darauf abgestimmt.
Engagierte Menschen für diese Arbeitsfelder in den städtischen Randzonen zu gewinnen ist zunehmend schwieriger geworden.

128.000.- Euro sind im städtischen Haushalt eine relativ geringe Summe - für das SJP bedeutet diese Einsparung faktisch das Aus. Die sozialen Einrichtungen werden die entstehenden Lücken mit ihren Ressourcen nicht kompensieren können - also müssen Angebote reduziert werden.
Das bundesweit einzigartige SJP ist ein bewährtes Instrument, um Studierenden die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen in so genannten "sozialen Brennpunkten" zu vermitteln, eine ursprünglich formulierte Intention war auch, Brücken zum ehren-amtlichen Engagement zu bauen.

Dem Argument, hier werde lediglich dem "Bildungsinteresse von Studierenden" ent-sprochen, ist entgegen zu halten, dass mit der Streichung des SJP gerade Familien in benachteiligten Wohngebieten um zahlreiche Angebote gebracht werden, obwohl diese Entwicklung den Äußerungen in Wahlkampf und Koalitionsvertrag widerspricht.
Der Verweis an die Bezirke ist insofern kritisch zu sehen, weil eine über-bezirkliche, selbst verwaltete Struktur, die erfolgreich in die genannten Stadtteile gewirkt hat, ohne Auffanglösung zerstört wird. Die bisher bestehenden personellen Ressourcen durch zusätzliche Honorarmittel zu kompensieren, bedeutet einen wesentlich höheren finanziellen Aufwand. Ob und inwieweit die Bezirke sich hierzu verhalten werden und wie die bisherige Koordination der studentischen Honorar-kräfte verortet werden kann, ist zur Zeit unklar.

Konsequenzen am Beispiel Sonnenland

In der Großraumsiedlung Sonnenland (Billstedt) und Einzugsgebiet wird seit über 30 Jahren Gemeinwesenarbeit und damit Kinder- , Jugend- und Familienhilfe geleistet, die bundesweit auf fachliche Anerkennung stößt.
Das bisherige Amt für Jugend, das bezirkliche Jugendamt und der Allgemeine Soziale Dienst haben das Wohngebiet als "Brennpunkt im Brennpunkt" eingestuft.

Seit seiner Gründung in 1967 partizipiert das Stadtteilprojekt Sonnenland vom SJP, zuletzt mit 12 studentischen Honorarstellen, die vor allem bei Angeboten im offenen Kinderbereich eingesetzt sind.
Mit den Honorarzuwendungen des Landesjugendplans ( jährlich insgesamt 7.000.- EUR ) liegt die Einrichtung weit unter einer Mindestausstattung. Der Jugendhilfe-ausschuss des Bezirkes Mitte lehnt seit Jahren eine fachlich begründete, angemessene Ausstattung bezüglich Sach- und Honorarmitteln ab.

Im Stadtteilprojekt Sonnenland betrifft die Einsparung des SJP wöchentlich fünf Nachmittagsangebote für Kinder von 5 bis 13 Jahren und zwei Abendöffnungen für den offenen Jugendbereich ab 14 Jahre.
Mit dem Wegfall der 12 SJP-Stellen ergibt sich ein Einschnitt in die Angebotsstruktur:

- der offene Kinderbereich für 5- bis 14-Jährige kann nicht mehr aufrecht erhalten werden
- im offenen Jugendbereich muss eine Abendöffnungszeit entfallen
- Vollzeit-Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche sind nicht mehr möglich.

Die Auswirkungen für das Sonnenland sind exemplarisch zu sehen. Zuletzt waren 57 Studierende für 12 Einrichtungen im Einsatz.

Stadtteilprojekt Sonnenland

 

© Bündnis für mehr Solidarität