Drugs

Straßenheroin und reines Heroin

Heroin wird über verschiedene chemische Prozesse aus Rohopium gewonnen, einem flüssigen Extrakt des Schlafmohns. Der Anbau erfolgt in der Regel in Gebieten des Nahen, Mittleren und Fernen Osten. Auf dem Weg vom Hersteller zum Endkonsumenten verschlechtert sich die Qualität der Ware erheblich. Denn um die hohen Profitraten im Heroingeschäft erwirtschaften zu können, wird der Stoff von den Dealern verschnitten. In aller Regel erhält also ein Drogenkonsument niemals reines Heroin sondern verpanschtes Straßenheroin. Der aktuelle Reinheitsgrad liegt laut Polizeiauskunft zur Zeit bei 30 - 40 %. Der Rest sind sogenannte Streckmittel, wie etwa Milchzucker, Traubenzucker und Zitronensäure oder andere Wirkstoffe wie Koffein, Strychnin oder Präparate aus der Tiermedizin. Straßenheroin ist also deshalb so gefährlich, weil

a) der Reinheitsgrad kaum feststellbar und damit die richtige Dosierung nicht zu gewährleisten ist und

b) die beigemengten Stoffe den Körper erheblich schädigen und die Gesundheit ruinieren können.

Dabei muß man wissen, daß reines Heroin in der angemessenen Dosierung relativ verträglich und keineswegs lebensgefährlich ist. Ein Heroinkosument wird auch erst dann abhängig, wenn die körpereigene 'Drogenausschüttung' (Endorphine) durch eine intensive und regelmäßige Drogenzufuhr von außen lahmgelegt ist.

In diesem Zusammenhang sollte man auch zur Kenntnis nehmen, daß Heroin zur Gruppe der Opiate gehört und einige dieser Opiate in der Medizin zur Schmerzlinderung eingesetzt werden (z.B. Morphin).

Außerdem möchten wir daran erinnern, daß HEROIN genau unter dieser Bezeichnung um die mohnkleinJahrhundertwende einmal ein Hustenmittel der Firma Bayer war, welches sogar an Kinder verabreicht wurde. Und schließlich mag drogengeschichtlich interessant sein, daß man um die Mitte des letzten Jahrhunderts in fast jeder englischen Drogerie Opiumpillen kaufen konnte.

Für die steigende Zahl der Drogentoten sind also in erster Linie das unreine Heroin sowie die schwierigen Lebensumstände, unter denen Heroinabhängige leben müssen, verantwortlich; denn 'Junkies' sind gewissermaßen Verfolgte dieser Gesellschaft. Sie müssen verpanschtes Heroin auf der Straße zu Wucherpreisen kaufen und wissen dabei häufig gar nicht, was sie sich da in die Venen spritzen bzw. was sie beim Rauchen in die Lunge inhalieren. Da sie ihren Drogenbedarf nicht aus eigener Tasche bezahlen können, sind sie gezwungen, sich das Geld - das sind im Monat, je nach Dosierung, zwei- bis dreitausend DM - durch Diebstahl, Prostitution oder Drogenhandel (Dealen) zu beschaffen. Im fortgeschrittenen Stadium der Sucht gehen dann oft der Arbeitsplatz und nicht selten auch die Wohnung verloren.

Nun muß nicht jeder, der Heroin probiert, so enden, wie das eben beschrieben wurde. Es ist eine weit verbreitete Unwahrheit, daß der erste Schuß süchtig macht. Wahr ist vielmehr, daß viele, die Heroin probieren, es wieder bleiben lassen, weil die Wirkung als unangenehm empfunden wird. Wer allerdings einige Wochen drückt, hat in aller Regel die typischen Entzugserscheinungen, wenn kein 'Stoff' zur Verfügung steht, der dem Körper weiterhin zugeführt werden kann.

Heroineinsteiger haben bisweilen eine anfängliche Abneigung gegen das Spritzen, weil es als unangnehm empfunden wird, keine Kenntnisse über den richtigen Spritzengebrauch vorhanden sind oder die Angst vor einer HIV-Infektion besteht. Manchmal wird Heroin deshalb auch vom 'Blech geraucht' oder gesnieft.

Eine weitere Legende soll an dieser Stelle korrigiert werden. Es geht um das sogenannte Anfixen. Es gibt zwar dieses Phänomen, aber in aller Regel finden Jugendliche durch Neugier und Probierlust den Zugang zum Heroin. Dabei spielt es selbstverständlich eine Rolle, ob das befreundete Umfeld auch mit Drogen zu tun hat oder nicht. Auslösend für den ersten Griff zur Droge können natürlich auch Probleme im Elternhaus, Ärger in der Schule, Kontaktschwierigkeiten oder allgemeine Lebens- und Zukunftsängste sein. Um so wichtiger ist es, daß Eltern hier mit Verständnis und Liebe reagieren.

Cannabis: Haschisch und Marihuana

Die Cannabispflanze, die auch hierzulande gut gedeiht, sondert ein klebriges Harz ab, dessen wichtigster Wirkstoff das THC (Tetrahydrolcannabinol) ist. Das ausgeschiedene Harz nennt man auch Haschisch, während die getrockneten und zerkleinerten Pflanzenteile als Marihuana bezeichnet werden. Haschisch wirkt etwa 5 mal stärker als Marihuana; beide zählen zu den sogenannten weichen Drogen. Der Genuß dieser Stoffe kann Heiterkeit, Verträumtheit oder Introvertiertheit entfachen, aber das kann individuell durchaus unterschiedlich sein. In manchen Fällen kann es zu Atembeschwerden und Kreislaufstörungen kommen. Bisweilen treten auch Halluzinationen auf. Bei Menschen mit psychotischer Veranlagung, kann es zum Ausbruch von Psychosen kommen.

Der gelegentliche Haschischkonsum ist unter Jugendlichen weit verbreitet. Bundesweit hat annähernd jeder 4. Jugendliche schon Probiererfahrungen mit dieser Substanz gehabt. Interessant ist, daß in den Niederlanden der Konsum von Haschisch und Marihuana gestattet ist. Durch diese liberale Handhabung ist es dort gelungen, die weiche Drogenszene (Cannabis) von der harten Drogenszene (Heroin, Kokain, usw.) zu trennen. Der positive Effekt dieser Politik ist, daß ein Haschischkonsument nicht automatisch in Kontakt zu härteren Drogen gerät.

Es ist wichtig zu wissen, daß das Suchtpotential von Haschisch und Heroin nicht zu vergleichen ist. Haschisch (auch Shit genannt) oder Marihuana ('Gras') können unter Umständen psychische Abhängigkeiten erzeugen, während Heroin neben der psychischen auch eine körperliche Abhängigkeit hervorruft.

Es ist ebenfalls nicht wahr, daß Haschisch eine Einstiegsdroge für härtere Drogen ist. Jemand der mit Haschisch beginnt, kann zwar irgendwann auch auf Heroin oder Kokain umsteigen; dies ist aber keine zwangsläufige Entwicklung. Solche Darstellungen sind unwahr und haben in den letzten zwanzig Jahren zu einer erheblichen Verunsicherung von Eltern und Jugendlichen geführt. Viele Jugendliche dachten zum Beispiel, wenn Haschisch gar nicht so schlimm sei, wie dies in der Schule und in den Zeitungen häufig behauptet wurde, dann könne Heroin auch nicht so gefährlich sein; was dazu führte, daß sie dessen Suchtgehalt unterschätzt haben. An diesem Beispiel kann man gut erkennen, wie wichtig es ist, den Kindern die Wahrheit zu sagen. Man sollte eben nicht aus lauter (verständlicher) Sorge den 'Drogen-Teufel' an die Wand malen, um einen möglichst großen Abschreckungseffekt zu erzielen. Traurigerweise ist auf diese Weise häufig genau das Gegenteil erreicht worden (denn: "verbotene Früchte locken").

Kokain

Kokain ist ein weißes, bitter schmeckendes Pulver, welches aus dem Koka-Strauch gewonnen wird. Während die Folgen des Heroin- oder Haschischkonsums häufig überdramatisiert wurden, wird in Bezug auf Kokain in unserer Gesellschaft ein mehr oder weniger positives Image kultiviert.

kokastrauchkleinKokain geht der Ruf einer relativ harmlosen Leistungsdroge voraus. Dies hängt zweifellos mit der Tatsache zusammen, daß Kokain gerade auch in den wohlhabenden gesellschaftlichen Kreisen verwendet wird. Ebenso wie Heroin wurde auch Kokain von deutschen Chemikern im vorigen Jahrhundert entwickelt und schließlich von der Fa. Merck als Medikament vertrieben. Nicht uninteressant ist, daß der Coca-Cola vor 1906 tatsächlich kleine Mengen Kokain zugesetzt war.

Im Kokain-Rausch fühlen sich die Menschen häufig wesentlich leistungsfähiger, wacher und kreativer als im Normalzustand. Allerdings sind auch dem 'Koks' nicht selten andere Stoffe (z.B. Amphetamine = Aufputschmittel) beigemengt, um die Verkaufsprofite zu vergrößern. Für die Frage der Gefährlichkeit von Kokain ist auch hier die Höhe der Dosierung und die Dauer des Konsums entscheidend. In geringen Mengen und größeren Zeitabständen genossen, scheint Kokain relativ ungefährlich zu sein. Größere Mengen können jedoch zu Atemlähmung und/oder Herzversagen und damit zum Tod führen. Regelmäßiger Genuß ruft Schleimhautschäden in der Nase und der Lunge hervor.

Bei Dauerkonsum von Kokain werden häufiger auch psychische Veränderungen beobachtet, die sich in Verfolgungsangst und Gewaltätigkeit äußern können. Eine seelische Abhängigkeit ist bei Kokain-Konsumenten eindeutig zu beobachten, jedoch keine körperliche. Kokain wird sehr häufig gesnieft, kann aber auch geraucht oder gespritzt werden.

coca_hirn_1Im Gehirn eines Süchtigen sinkt nach dem Konsum von Kokain in manchen Hirnregionen der Verbrauch von Glucose, wie diese farbcodierten Positronen-Emissionstomogramme erkennen lassen. Rot steht für höchsten Verbrauch und damit für besonders hohe Nervenaktivität. Die Aufnahmen wurden am amerikanischen Nationalen Institut für Drogenmißbrauch angefertigt

 

Roche (Rohypnol)

In den letzten Jahren hat in einem bedenklichen Ausmaß der Konsum eines Medikaments mit der Markenbezeichnung 'Rohypnol' unter den Jugendlichen der sozialen Brennpunkte zugenommen. Im Szene-Jargon wird dieses Beruhigungsmittel (Tranquilizer) in Bezug zum Namen des Herstellers 'Roche' genannt (gesprochen: Rosch). Roche ist eine Billig-Droge, die sehr häufig dem Nebenkonsum von Heroinabhängigen dient und zur Überbrückung von Versorgungsengpässen (beim Heroin) verwendet wird.pillen

Manche Mediziner behaupten, Rohypnol sei gefährlicher als reines Heroin, da seine schädlichen Wirkungen ganz erheblich seien. Es können sich Atem- und Kreislaufdepressionen einstellen, die zum Tod führen können. Problematisch ist des weiteren, daß die Drogenkonsumenten dieses Medikament meist in sehr hohen Dosierungen zu sich nehmen, was die betäubende Wirkung so stark macht, daß die Betreffenden im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr merken. Sie können nach der Einnahme stundenlang in einer Position verharren, was die Durchblutung der Gliedmaßen unterbrechen kann. Es ist auch ein Fall bekannt geworden, wo ein Roche-Konsument, angelehnt an der Heizung eingeschlafen ist und dabei schwere Verbrennungen erlitten hat, die er zunächst nicht bemerkt hat. Derart heftige Betäubungszustände können also gefährliche Folgen haben. Dazu muß man wissen, daß Rohypnol in Krankenhäusern häufiger bei Operationspatienten verwendet wird. Es wird aber auch oft von Ärzten als Beruhigungsmittel verschrieben (Privatrezept).

Nicht zuletzt wegen seiner erheblichen suchterzeugenden Wirkung, gibt es Bestrebungen, Rohypnol aus dem Verkehr zu ziehen. Allerdings werden von den Drogenkonsumenten auch jetzt schon wahlweise andere Medikamente wie z.B. Speda, Fluninoc, Norcotral oder Medinox, die in der Regel als Schlafmittel (Barbiturate) verschrieben werden, verwendet.

Natürlich werden diese verschiedenen Pillen meist in oraler Form eingenommen (also geschluckt). Nicht selten werden sie allerdings auch aufgelöst, um dann in flüssiger Form gespritzt zu werden.

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