Briefe von "Ehemaligen"

Briefe von "Ehemaligen"

Im folgenden veröffentlichen wir in Absprache mit den VerfasserInnen einige Briefe an unser Projekt. Die Namen haben wir zum Schutz der jungen Menschen weggelassen.

Als erstes hat die Krisenwohnung mir in einer schweren Lebenssituation ein Bett gegeben. Endlich hatte ich etwas, wo ich jeden Abend hingehen konnte.
Das wichtigste aber war, das ich jemanden hatte, zu dem ich mit meinen Problemen gehen konnte.
Ich wurde beispielsweise morgens angerufen, falls ich verschlafen hatte, damit ich nicht zu spät zur Arbeit komme.
Ich wollte auf die Kinderpflegeschule und da wurde mir geholfen eine Bewerbung zu schreiben und meine Unterlagen zusammenzustellen.
Die Erzieherin hat mir die Haare geschnitten und mit mir schöne Fotos von mir gemacht, damit es mir seelisch besser geht.
Mir wurde geholfen mit dem Geld, was mir monatlich zur Verfügung stand klarzukommen, so dass ich nicht am zwanzigsten des Monats dastand und nichts mehr zu essen hatte.
Alle Mitarbeiter des Straßobüros waren immer nett und hilfsbereit zu mir.
Ich konnte ins Büro gehen und Behördentelefonate führen und ich konnte jederzeit an den Computer und ins Internet zur Wohnungssuche.


Im Großen und Ganzen hat der Einzug in die Krisenwohnung mir entschieden geholfen mein heute komplett geregeltes Leben zu leben.


Vielen Dank noch mal für alles, was ihr für mich getan habt.

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Mir hat die Wohnung sehr geholfen als ich daheim rausgeflogen bin. Die Straso hat mir bei Behördengängen geholfen bis ich das alleine geschafft habe. Zu der Zeit als ich im Schlupfloch gelebt habe ist mein Opa gestorben. Wenn ich alleine sein wollte konnte ich mich in mein Zimmer zurückziehen. Ich wurde in den Arm genommen und getröstet, das hat mir sehr gut getan und ich habe mich sehr wohl gefühlt.
Mit circa 13 Jahren habe ich geahnt, das ich schwul bin, nur leider habe ich mir das nicht eingestanden. Dabei haben meine Eltern einen großen Teil dazu beigetragen, sie haben immer schlecht von "Homos" gesprochen. Als ich in die Krisenwohnung gezogen bin, hatte ich auch meinen ersten Freund kennengelernt und ich war froh, dass ich die Betreuerin hatte. Ich konnte mit ihr über alles sprechen. Kurz darauf hatte ich so viel Mut gehabt, dass ich mich outen konnte. Mein Freund hat öfter bei mir geschlafen und keiner hatte etwas dagegen. Einmal bin ich mit ihm zusammen zu seinen Eltern nach Uelzen gefahren. Leider haben seine Eltern total mies reagiert, haben zu mir gesagt, ich solle wieder fahren und ihn haben sie in sein Zimmer gesperrt. Ich weiß nicht, was sie mit ihm gemacht haben, ich weiß nur noch, dass er weinend am Fenster stand und runter rief, dass ich zu seinen Nachbarn gehen soll und die Straso anrufen. Das habe ich gemacht und circa eine Stunde später war jemand da. Wir haben meinenFreund in eine Jugendnotunterkunft dort gebracht und sind zurück nach Hamburg. Ein paar Tage später war Jan wieder da und die Straso hatte uns erlaubt, dass er bei mir im Zimmer wohnen darf. Ab dann haben sie auch ihm geholfen bei Amt-Gängen und bei der Wohnungssuche. Ich habe der Straso und der Wohnung so viel zu verdanken, das ich es mein Leben lang nicht mehr gut machen kann.
Alle Mitarbeiter der Straso haben mich unterstützt als ich zum Jugendamt gegangen bin. Die Wohnung hat mir Halt gegeben. Hätte ich diese nicht gehabt, wäre ich wohl auf der Straße gelandet und das in der Probezeit meiner Schlachterlehre. Das Jugendamt hatte mir bewilligt in meine eigene Wohnung zu ziehen, sollte aber als Übergang in eine Jugendwohnung. Ich habe mir drei Stück angesehen. Nur ein Beispiel: Die WG war dreckig, widerlich, Döner-Reste an der Wand und auf´m Boden, aufgebrochene Privatschränke, 1,5 Stunden Arbeitsweg. Die Krisenwohnung war immer sauber, dafür haben wir gesorgt und wenn es nicht sauber war, hat abends jemand von der Straso etwas gesagt. Ich hatte meine Privatsphäre und hatte ´nen Arbeitsweg von 30 Minuten. Ich hatte volle Unterstützung von der Straso.
Hätte ich die Mittel, die Krisenwohnung zu finanzieren, dann würde ich das machen.
Ich finde Jugendliche, die Hilfe brauchen, sollten diese bekommen und das Team und die Wohnung sind für viele Jugendliche der erste Anlaufpunkt bzw. der bessere Weg.

Ich danke dem ganzen Straso-Team für die Hilfe und Unterstützung, die ihr mir gegeben habt.

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Als ich noch im Kindergarten war haben sich meine Eltern scheiden lassen. Meine Mutter wollte mich zu diesem Zeitpunkt nicht haben, dadurch kam ich zu meinem Vater. Mein Vater hat meine Mutter wegen meiner jetzigen Stiefmutter verlassen. Ich kam mit ihr nicht klar, wir hatten uns von morgens bis abends nur gestritten. Nach einer längeren Zeit hatte ich immer mehr Kontakt mit meiner richtigen Mutter. Sie hatte jemanden kennen gelernt (meinen jetzigen Stiefvater). Mit dem konnte ich mich aber auch nicht anfreunden. Als ich 16 war bin ich bei meinem Vater ausgezogen und ging zu meiner Mutter. Es ging ein halbes Jahr gut, dann gab es dort auch nur noch Streit. Zu diesem Zeitpunkt bin ich zu meiner (Ex-) Freundin gezogen, das ging aber auch nicht lange gut. Sie hatte mich rausgeschmissen und ich schlief Mal für ein oder zwei Nächte bei Freunden, aber die meiste Zeit hatte ich auf der Strasse geschlafen. Mein Vater wusste es und er hat einen Termin beim Jugendamt eingerichtet. Wir hatten mehrere Gespräche mit dem ASD gehabt, uns wurde gesagt, dass wir mal mit Streetlife reden möchten. Nach mehreren Gesprächen mit ihr hat mir die Betreuerin vom Schlupfloch angeboten, in der Jungswohnung zu wohnen. Ich hatte es voller Freude angenommen. Sie hat mir dadurch wieder Hoffnungen gemacht, weil ich dachte, dass mein Leben vorbei ist. Als ich in der Wohnung wohnte, bekam ich Verständnis und sehr viel Hilfe von ihr. Sie machte sich immer sehr viel Sorgen um mich. Sie hat mir geholfen meine Probleme in den Griff zu bekommen. Sie hat mir geholfen, wo sie nur konnte. Egal ob ich Probleme hatte oder als ich Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz geschrieben hatte, sie war immer für mich da. Ich fühlte mich sehr wohl bei ihr. Sie war und ist wie eine Mutter für mich. Jetzt arbeite ich und wohne bei einem Kollegen. Bald habe ich eine eigene Wohnung. Ich kann mein Leben wieder leben, das habe ich nur durch den STREETLIFE e.V. und die Betreuerin geschafft. Auch jetzt, wo ich nicht mehr bei ihr wohne, ist sie immer für mich da. Ich bin sehr froh, dass ich sie kennen gelernt habe. Ich habe ihr sehr viel zu verdanken. Ich hoffe, dass sie noch vielen wie mir helfen kann.

 

Songtexte

Beginnendes Ende!

Wir lieben es dass ihr uns hasst!
Wir brechen Herzen, weil unsere eigenen gebrochen sind
Und wir könnten es niemals reparieren!

Wenn unsere Herzen beginnen zu schlagen
Sind sie dabei zu sterben!

Ihr habt nie um Vergebung gebeten.
Ihr hättet es nötig gehabt!
Wir werden niemals um Vergebung bitten,
weil wir nur der Abdruck eures Hasses sind!

Wenn unsere Herzen beginnen zu schlagen
Sind sie dabei zu sterben!

Ihr hasst uns, weil wir die Hässlichkeit eurer Seelen wiederspiegeln!

Brücke zu dir!

Ich war auf dem Weg zu dir
und ich erreichte die Brücke
die mich zu dir führen sollte.
Ich sah dich auf der anderen Seite...

Und plötzlich brach die Brücke in sich zusammen,
versank im Nichts
und mit ihr meine Hoffnung
dich je wiederzusehen!

Ich war bereit zu fallen
als ich glaubte die rettende Hand zu sehen
und als ich nach ihr griff
ging meine Hand ins Leere!

Und plötzlich brach die Brücke in sich zusammen,
versank im Nichts
und mit ihr meine Hoffnung
dich je wiederzusehen!

Und jetzt weiß ich,
dass ich dich nicht wiedersehen werde
und das die Brücke nicht real war!

Deine Welt!

Ich liebe dich
und du lässt mich dir näher kommen,
aber ich spüre das ich nicht in deine Welt passe!
Du bist wie ich, aber ich bin nicht wie du!
Und je näher ich dir komme,
desto weiter entferne ich mich von dir!

Du bist es nicht der mich verzweifeln lässt,
deine Welt gewährt mir keinen Einlass!

Tore aus Hass die sich nicht öffnen lassen.
Ich will wissen was dahinter ist
und ich habe den passenden Schlüssel nicht!

Du bist es nicht der mich verzweifeln lässt,
deine Welt gewährt mir keinen Einlass!

Ich schaue durch das Schlüsselloch,
das grelle Licht lässt mich erblinden
und ich sehe besser als je zuvor,
dass auf der anderen Seite deine Welt sein muss!
Ich habe den Schlüssel bis heute nicht gefunden!

Klage an Gott!

Ich scheiß auf die Christen!
Wofür hab´ ich gebetet?
Gott du sollst doch so nett sein,
warum ist nichts passiert?

Hab´ nach einer Antwort gesucht,
war dumm genug zu glauben,
dass sich etwas ändern wird.

Sagst du den Priestern,
dass sie Kinder ficken sollen?
Und wenn ja, warum sagst du ihnen nicht,
dass sie die Opfer töten sollen?
Sie müssen mit ihrem Schmerz leben
und sich immer an den lieben Gott erinnern!

Hab´ nach einer Antwort gesucht,
war dumm genug zu glauben,
dass sich etwas ändern wird.

Du bist das Hirngespinst einer früheren Generation!
Und wenn es dich wirklich gibt musst du ein Sadist sein!

Hasste mich selbst um andere zu lieben,
liebe mich selbst um andere zu hassen.
Hasste mich selbst um andere zu lieben,
liebe mich selbst um andere zu hassen.
Hasste mich selbst um andere zu lieben,
liebe mich selbst um andere zu hassen.

Schlafen!

Ich bin übermüdet meine Augen fallen ständig zu und ich kann sie nur mit Mühe wieder aufreißen...

Und alles geht im Zeitraffer an mir vorbei,
ich kann noch einmal kurz sehen wie´s damals war!

Es strengt mich an euer Gelaber über Gott und die Welt zu hören
und es dauert nicht mehr lange bis ich meine Augen nicht mehr öffnen kann!

Ich werde mich nie frei fühlen,
aber ich werde irgendwann frei sein!

Und alles geht im Zeitraffer an mir vorbei,
ich kann noch einmal kurz sehen wie´s damals war!

Der Tod ist unser ewiger Schlaf,
und wir werden schön sein wenn wir ruhen!

Und alles geht im Zeitraffer an mir vorbei,
ich kann noch einmal kurz sehen wie´s damals war!

(screeming) Schmerzhaft!

ROCKSONG-TEXTE

Carmen, 16

 

© Streetlife e.V.