Ausstiegshilfen

Ausstiegshilfen

Für Heroinabhängige, die aus dem Suchtkreislauf aussteigen wollen, ist die klinische Drogenentzugsbehandlung die erste Station auf diesem Weg. Bedauerlicherweise gibt es in Hamburg viel zu wenig Entzugsplätze. Das Krankenhaus Ochsenzoll stellt für ganz Hamburg zur Zeit 30 Plätze zur Verfügung. Das ist bei etwa 10.000 - 12.000 Drogenabhängigen natürlich viel zu wenig.

Wir und andere setzen sich dafür ein, daß die Platzkapazität möglichst umgehend erhöht wird und daß auch andere Krankenhäuser dieser Stadt mehr Drogenentzüge für Junkies anbieten. Die klinische Entzugsbehandlung, welche der körperlichen Drogenentgiftung dient, dauert in der Regel 2 Wochen. Wenn anschließend eine Langzeittherapie erfolgen soll, ist eine Behandlungsdauer von 4 Wochen vorgesehen.

Für Drogenabhängige, die neben dem Heroin auch Rohypnol (Roche) konsumiert haben, ist der Entzug in aller Regel sehr langwierig. Eine körperliche Entgiftung von Tablettenabhängigen dauert mehrere Wochen, manchmal auch Monate. Bei Roche-Konsumenten kann es währenddessen zu psychotischen Reaktionen und Krampfanfällen kommen.

Meistens erfolgt die Entzugsbehandlung im Krankenhaus mit Hilfe von Medikamenten. Dies bedeutet, daß zur Linderung der Entzugserscheinungen auch bestimmte Präparate verwendet werden. Diese Art des Entzuges nennt man den 'warmen Entzug'. 'Kalten Entzug' nennt man jenen, der ohne medikamentöse Unterstützung erfolgt und der oft sehr qualvoll ist.

In den USA wird inzwischen auf den Drogenstationen vieler Krankenhäuser die Akupunktur-Methode bei entgiftenden Heroinkonsumenten mit Erfolg eingesetzt. Auch in Hamburg wird es vermutlich bald eine ambulante Entgiftungseinrichtung geben, die mit diesem Verfahren arbeiten wird.

Wie uns bekannt ist, gibt es durchaus Eltern, die den Drogenentzug ihrer Kinder in der eigenen Wohnung durchführen. Dies hängt sicherlich damit zusammen, daß es zu wenig Entzugsplätze gibt bzw. zu lange Wartezeiten auszuhalten sind oder der Wunsch besteht, das Problem unauffällig und in eigener Regie zu lösen. Ohne Frage sind solche Vorgehensweisen zunächst verständlich; schließlich sind dies Akte familiärer Solidarität. Allerdings wäre eine ärztliche Beratung und Begleitung privater Entgiftungsmaßnahmen notwendig. Denn es kann dabei durchaus zu gefährlichen Komplikationen kommen; insbesondere dann, wenn der Betreffende neben dem Heroin noch weitere Drogen konsumiert hat (Mischkonsum). Dieser sogenannte Beikonsum besteht häufig aus Tabletten (Schlaf-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel), Alkohol oder Kokain.

Entgiftungsmaßnahmen haben 'nur' den körperlichen Entzug zum Ziel. Wenn dies gelungen ist, ist bereits einiges gewonnen. Doch die Überwindung der psychischen Drogenabhängigkeit ist damit meist noch nicht gewährleistet. Die Gefahr eines Rückfalls ist also durchaus gegeben. Dies trifft besonders dann zu, wenn die Zukunft des Betreffenden ungeklärt oder unsicher ist; z.B. keine berufliche Perspektive oder Wohnung vorhanden ist. Wenn also jemand nach erfolgtem körperlichem Entzug nunmehr clean an einem Wendepunkt seines Lebens steht, ist sehr viel Unterstützung und einfühlsame Beratung erforderlich, damit sich der/die Betreffende für neue Wege entscheiden kann. Problematisch ist dabei, daß man sich unter Umständen von dem Teil der alten Freunde lossagen wird, der nach wie vor zur Drogenszene zählt. Das kann bedeuten, daß man sich erst wieder einen neuen Bekannten- und Freundeskreis zulegen muß.

Es gibt auch die Möglichkeit, die psychische Stabilisierung nach dem Entzug mit Hilfe einer stationären Drogentherapie (Abstinenztherapie) zu bewerkstelligen. Solche therapeutischen Maßnahmen, die häufig in Wohngemeinschaften mit anderen drogengefährdeten Klienten durchgeführt werden, haben unterschiedliche zeitliche Dauer (von 3 bis 12 Monaten). Im Rahmen dieser Therapien werden sowohl die seelischen Ursachen der Sucht als auch die Fragen der künftigen Lebensperspektive bearbeitet. Es gibt einen geregelten Tagesablauf. Die Anforderungen des alltäglichen Lebens müssen eigenverantwortlich von den Jugendlichen bewältigt werden (Einkaufen, Kochen, Saubermachen, usw.). Dazwischen ist die Teilnahme an verschiedenen Gruppenangeboten (Gespräche, Sport, Musik, Handwerk, u.a.m.) möglich.

Neben den stationären Therapieangeboten, gibt es auch die Möglichkeit der ambulanten Behandlung. Im Rahmen einer ambulanten Therapie können regelmäßige Freizeit- und Gesprächsgruppenangebote sowie psychotherapeutische Einzelbehandlungen wahrgenommen werden. Geeignet ist diese Angebotsform für alle, die nach einem körperlichen Entzug weder einen Ortswechsel noch eine längere zeitliche Unterbrechung ihres Lebensverlaufes wollen. Auch für Abbrecher von stationären Therapien oder für Substituierte kann dies eine sinnvolle Axt und Weise der Behandlung sein.

Ganz grundsätzlich ist wichtig, daß Sie hinsichtlich der Erfolgsaussichten der verschiedensten Drogentherapieangebote keine zu hohen Erwartungen hegen, denn es gibt einerseits eine Menge sogenannter Therapieabbrüche, und andererseits kann es auch nach der Beendigung von Therapiebehandlungen immer wieder zu Rückfällen kommen. Entscheidend ist, ob ein ehemals Drogenabhängiger nach so einer Maßnahme eine Zukunft vor sich hat, auf die er sich freuen kann. Doch in einer Gesellschaft, wie der unseren, in der die sozialen Probleme (Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, usw.) merklich zunehmen, ist eine solche positive Perspektive manchmal nur schwer zu verwirklichen.

Die Therapiekosten werden grundsätzlich von den Rentenversicherungsträgern (LVA oder BfA) übernommen. Sollte dies wegen zu kurzer Versicherungszeiten nicht möglich sein, trägt die zuständige Krankenkasse oder das Sozialamt die Kosten. Genauere Informationen über die verschiedenen Therapieeinrichtungen und die jeweiligen Kostenverfahren können Sie bei den im Anhang genannten Drogenberatungsstellen erhalten.

Unerwähnt bleiben soll nicht, daß es durchaus auch Abhängige gibt, die sich im Laufe der Jahre selbst von ihrer Sucht befreien. Untersuchungen in den USA haben belegt, daß es eine Menge solcher 'Selbstheiler' gibt. Es scheint so zu sein, daß die Betreffenden irgendwann aus ihrer Sucht herauswachsen; daß die Drogen allmählich immer überflüssiger werden. 70 % derjenigen, die den Ausstieg schaffen, bewältigen dies ohne fremde Hilfe.

 

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