"Ohne das Café wäre die Hälfte von uns tot"

"Ohne das Café wäre die Hälfte von uns tot"

Das ist die Antwort einer jungen Frau auf die Frage, was das Café Sperrgebiet für sie ist. Andere finden im Café einen Ort zum Reden, eine Zuflucht - männerfrei, einen Platz der Erholung - zum Schlafen, essen duschen, einen Ruheort zum Sorgen ausschütten, abschalten oder auch ein sicheres Zuhause von dem aus weiter in die Welt geblickt werden kann.
Das Café Sperrgebiet ist seit 1985 in St. Georg zu finden. Der Beginn war nicht einfach. Politiker in Hamburg sahen damals keine Notwendigkeit eine Anlauf- und Beratungsstelle für minderjährige und junge Prostituierte zu finanzieren. Die jungen Frauen waren aber bereits da und gingen anschaffen. Bereits nach einem Jahr, durch Spenden finanzierte Arbeit, war ersichtlich, dass die Mädchen und Frauen diese Einrichtung akzeptierten und aufsuchten. Jetzt wurde die Arbeit finanziell durch die Stadt Hamburg abgesichert.
Anfang der 90er dann der zweite Anlauf: Das Tagesangebot musste dringend um eine Übernachtungsmöglichkeit erweitert werden. Bisher mussten die Mädchen und Frauen abends nach der Öffnungszeit immer wieder auf die Straße geschickt werden. Sie gingen nicht nach Hause - sie hatten / haben kein Zuhause. Kinder und Jugendliche haben stets ein Zuhause sagten die Politiker, daher ist ein Nachtangebot überflüssig. Auch hier war ein Blick auf die Realität nötig, die zeigt, dass Kinder und Jugendliche auf der Straße leben. Übernachtung konnte mit einem Umzug in größere Räume 1993 angeboten werden. Damit war ein weiteres notwendiges Angebot für Mädchen und Frauen geschaffen worden: endlich männerfrei übernachten zu können!
Die Besucherinnen des Café Sperrgebiet haben Erfahrungen mit (geschlossenen) Institutionen, mit Familien. Sie kennen Beziehungsabbrüche, Vernachlässigung, Schläge, Misshandlungen, sexualisierte Gewalt, Sucht, Reichtum und Armut, das heißt sie kommen aus allen nur denkbaren Verhältnissen nach St. Georg. Hier gehen sie anschaffen für Drogen - und nehmen Drogen, um weiter anschaffen zu können. Diese Drogen sind für manche
"das Beste, das ich kenne" (Zitat eines Mädchens).
Die Angebote im Café Sperrgebiet haben sich von Beginn an der Lebenswelt der Mädchen und Frauen orientiert. Es galt und es gilt auch heute, sie zu erreichen, den Kontakt dort wo sie leben zu suchen und ihnen einen Ort zum ... zu geben.
Wir wollen diesen Ort so offen halten, dass jede einzelne diesem Ort ihren Sinn geben kann.

Anke Mohnert
Café Sperrgebiet